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Ein Engel kommt nach Zehlendorf Weiß und leer hoben sich zwei Guckkastenbühnen vom grünen Hintergrund des Pfarrgartens ab, der sich am Nachmittag des 1. Juli 2000 rasch füllte, denn Jung und Alt schickte sich an, das Gemeindefest von St. Otto in Zehlendorf zu begehen. Himmlischer Besuch war angesagt; schon bald strebten denn auch 25 seidenweiß gewandete Engel, dargestellt von der Kindersinggruppe „Ottönchen“ , auf die größere Bühne, während auf der kleineren drei Profi-Musiker Platz nahmen. Nun ging es los mit dem Musical „Ein Engel" von Christa Merle und Sonja Kitsch. Der besagte kleine Engel wird zum Zweck der Besserung vom Himmel auf die Erde verbannt, weil er das langweilige Üben der Halleluja-Tonleiter beanstandet hat. Er soll einem Mädchen beistehen, das von seinen Mitschülern geärgert und ausgenutzt wird. Dabei hat es gar nichts Schlimmes getan, außer dass es vielleicht ein bisschen zu strebsam ist. Der Engel sorgt im Schulalltag für allerlei Überraschungen und bewirkt, dass am Ende alle das Mädchen akzeptieren – im Traum jedenfalls. Als das Mädchen aufgewacht ist, geht es traurig zur Schule. Doch dort wird eine neue Mitschülerin angekündigt, sie heißt Angelina und ist . . . der Engel aus dem Traum! In Zukunft muss eigentlich alles besser werden, zumal es in einem Song des Traums hieß: „Mensch, du schaffst es, los fang an! Mensch, du schaffst es, glaub daran!“ In dem Musical wechseln Lieder mit Sprechtexten ab. Da vor allem Kinder angesprochen werden sollen, entstammen die Texte eher der Sprache von Kindern und Jugendlichen. Ganz schön „cool“ . Als der liebe Gott mit „Chef“ tituliert wurde, mussten selbst die Erwachsenen schmunzeln. Schmissige Songs („Engel sind so ähnlich wie wir“) , aber auch langsame, gefühlvolle Lieder wie „Flieg hinauf“ gingen leicht ins Ohr. Die Musiker Ralf Timer (E-Gitarre) , Matthias Klünder (Keyboard) und Matthias Brandt (Schlagzeug) begleiteten die Kinder schwungvoll und einfühlsam. Alle Darsteller hatten ihre Rollen prima gelernt und sich in geduldiger Probenarbeit sehr gut vorbereitet. Wer welche Rolle übernahm, wurde gemeinsam entschieden, nachdem die Bewerber ihren Part vorgetragen hatten. Anschließend wurde ehrlich besprochen, wer am besten war. So fand sich immer die richtige Besetzung. Überraschenderweise machte das Üben den Beteiligten viel Spaß und sicherlich nicht nur, weil es hinterher von den Eltern kleine Leckereien gab. Es war ein Gruppenerlebnis der besonderen Art. Die Kinder waren oft bereits vor dem Eintreffen der Leiter mit ihren Rollen beschäftigt, versammelten sich von selbst auf der Bühne des Pfarrsaals und schmetterten: „Wir sind das Superteam!“ Bei der Aufführung wirkten sie locker und souverän, von Lampenfieber keine Spur! Ungeachtet dieser „Kritik“ übertrugen alle Kinder mit ihrem Spielen und Singen und den dazu passenden Gesten ihre Begeisterung auch auf die Zuschauer. Angefeuert wurden die kleinen Künstler durch die mitreißenden Bewegungen der Spielleiterin Christina Lingnau (sonst: Gemeindereferentin), die sicher auch in der Disko eine gute Figur machen würde. Lange hatte sie nach einem passenden Stück gesucht, und wieder einmal war es der Zufall, der nachgeholfen hat. Man kennt das ja: Täglich flattern einem zig Prospekte auf den Tisch, die in der Regel ungelesen in den Papierkorb wandern. Plötzlich wird das Auge von einem Bild, einem Satz gefesselt, einem Engel! „Das ist es“, dachte sich Christina Lingnau und bestellte sich die Unterlagen mit Musikkassette. Den Kirchenmusiker Karl Hans Gehr konnte sie schnell für das Projekt erwärmen. (Er arbeitet seit einigen Jahren mit den „Ottönchen“ und ist für die Gesamtleitung verantwortlich.) Als auch die „Ottönchen“ spontan zustimmten, war die Sache klar. Bettina Klose, die dritte Leiterin der „Ottönchen“, übte die Sprechrollen mit den Kleinen ein, die noch nicht zur Schule gehen und noch nicht lesen können. Viele tatkräftige Mütter nähten Gewänder, bastelten Zubehör und sorgten für Energieersatz. Requisiten wurden nur sparsam verwendet: einige (Schul-)Tische und Stühle, eine Tafel, eine Liege. Das war genug. Sehr hübsch: die Wolken auf blauem Grund. Die Idee stammte von Agnes Taegner, einer jungen Gruppenleiterin. Bei der Ausführung halfen wieder andere mit, denn es musste Styropor ausgesägt, blau bemalt und mit Füllwatte versehen werden. Der Küster und einige Väter aus der Gemeinde betätigten sich beim Aufbau und bei der Technik. Folglich war es durchaus angemessen, dass sich Pfarrer Biskup gegen Ende des Musicals mit einer Schubkarre voller Blumen seitlich nach vorn pirschte, um im geeigneten Augenblick allen Beteiligten auf das Herzlichste zu danken: Blumensträuße für die Großen und eine Rose für jeden Darsteller und jede Darstellerin, Riesenapplaus für alle. Weitere Aufführungen sind im nächsten Schuljahr geplant. Bleibt auf Erfolgskurs, liebe „Ottönchen“-Engel!
Katharina Schmidt |
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